


















|
| Reynold, Gonzague Frédéric de, (18801970). Schweizer Schriftsteller |
| Vier maschinengeschriebene Briefe mit einigen eigenhändigen Sätzen und Unterschrift an Robert Schuman, 8 S. 4°, französisch |
Cressier-sur-Morat, 19. 2./2. 3./8. 6. 1953 und 19. 2. 1955 Zwei Artikel von Reynold: La Suisse et lunion europeénne, 7 S. 4°, französisch. O. O., o. D. "Leurope |
In seinen Schreiben beleuchtet de Reynold insbesondere das komplexe Verhältnis der Schweiz zu Europa. Tradition wie Weltoffenheit kennzeichneten den katholischen Freiburger Patrizier Gonzague de Reynold. Er lehrte zuerst als Historiker an der Universität Bern, bevor die katholische Universität Freiburg eigens für ihn einen Lehrstuhl für Kulturgeschichte schuf. Zu seinem Lebenswerk gehörte die Sorge der westschschweizerischen Bevölkerungsminderheit um ihre Sprache, die Erneuerung der patriotischen Gesinnung in der Schweiz sowie das verantwortungsbewusste Bemühen um Kultur und Tradition in Euopa. Sein Ideal lag in einem traditionsbewussten und gläubigen Schweizertum, so dass er bestimmte moderne Tendenzen der Massendemokratie kritisierte. Wegen seiner Schrift La Démocratie et la Suisse verlor er 1929 seinen Berner Lehrstuhl. Zwischen 1922 und 1945 arbeitete er für den Völkerbund in der schweizerischen Kommission für internationale intellektuelle Zusammenarbeit und gehörte zu den engen Vertrauten der katholisch-konservativen Bundesräte Guiseppe Motta (s. d.), Jean Marie Musy (18761952) und Philipp Etter (18911977). Ferner pflegte er ausgezeichnete Beziehungen zu Benito Mussolini (s. d.). Ausgehend von einer aristokratischen, katholisch-konservativen, föderalistischen Sicht der Schweizer Geschichte, erhoffte und propagierte Reynold die Erneuerung der Schweiz und Europas aus der Rückbesinnung auf die Werte der Tradition. Das brachte sein politisches Denken in die Nähe zu den ständestaatlichen Vorstellungen der zeitgenössischen europäischen Rechten. Der französische Staatsmann Robert Schuman (18861963) war nach dem Zweiten Weltkrieg Mitbegründer und Abgeordneter des Mouvement Républicain Populaire (MRP). Ab 1946 amtierte er nacheinander als französischer Finanz- und Justizminister (bis 1947), als Ministerpräsident (1947/48) sowie als Aussenminister (bis 1953). Er gehörte zu den engagierten Befürwortern einer deutsch-französischen Aussöhnung. Die Gründung der Europäischen Union für Kohle und Stahl (EGKS) von 1953 ging ebenfalls auf seine Initiative (Schumann-Plan) zurück. Des weiteren setzte er sich für die Gründung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) ein, die aufgrund des französischen Neins jedoch nie zustande kam. Von 1958 bis 1960 war er erster Präsident des Europäischen Parlamentes der am 25. März 1957 gegründeten europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). [1038,1-6] |
| [1038,1-6] |