Motta dankt als Chef des Politischen Departementes dem belgischen Ökonomen Edouard Wiener für die Zusendung einer Rede, gehalten am 20. November 1923 durch S. E. Mr. Jaspar, Minister für Auswärtige Angelegenheiten. Guiseppe Motta begann seine politische Laufbahn 1895 als Vertreter der Katholisch-Konservativen Volkspartei im Grossen Rat des Kantons Tessin. Ab 1899 Mitglied des Nationalrates wurde er im Jahre 1912 in den Bundesrat gewählt, wo er das Finanz- und Zolldepartement übernahm. Als Vorsteher des Finanzdepartementes gelang es ihm, dem Bundeshaushalt wichtige neue Einnahmequellen zu erschliessen (Stempelsteuer 1917, ausserordentliche Kriegssteuer 19191932, Tabaksteuer 1925). Gleichzeitig widersetzte er sich jedoch der von den Sozialdemokraten geforderten Einführung der direkten Bundessteuer, da er die föderalistischen Grundstrukturen der Schweiz durch die Erhebung einer nationalen Steuer gefährdet sah. Zwischen 1920 und 1940 amtierte er als Vorsteher des Politischen Departementes, wo er die schweizerische Aussenpolitik während der Zwischenkriegszeit massgeblich mitprägte. In den Beziehungen zu den faschistischen Nachbarmächten Deutschland und Italien betrieb Motta in den 30er Jahren eine Beschwichtigungspolitik, um die Schweiz aus den internationalen Konflikten herauszuhalten. 1920 führte er die Schweiz in den Völkerbund und präsidierte 1924 die Völkerbundsversammlung. 1927 versuchte er eine politisch-wirtschaftliche Annäherung der Schweiz an die Sowjetunion, der wegen der wachsenden antikommunistischen Tendenzen aber kein nachhaltiger Erfolg beschieden war. |